Arrow Boys, Südsudan

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Lord’s Resistance Army (LRA)

Die Angriffe fanden nachts statt, schnell und brutal – die Dorfbewohner und Bewohnerinnen hatten keine Zeit, sich zu verstecken oder zu wehren.

Ganze Gemeinden flohen in die Wälder oder in andere Regionen, Felder blieben unbestellt, und die soziale Struktur brach zusammen.

Die LRA drang ab Mitte der 1990er Jahre vor allem in den Westen des Südsudan ein, in die Region Western Equatoria. Orte wie Yambio, Maridi und Tambura wurden wiederholt Ziel von Überfällen.

Dieses schwer zugängliche Gebiet war ein strategisch wertvoller Ort für die LRA: dichter Wald zur Deckung, kaum Militärpräsenz und viele verstreute Dörfer.

Typisch war das Vorgehen in kleinen, hochmobilen Gruppen, die in die Dörfer eindrangen, meist nachts oder früh am Morgen, um Überraschung zu sichern. Männer wurden oft sofort getötet, um Widerstand zu brechen. Frauen und Mädchen verschleppten die Kämpfer in ihre Lager, wo sie als „Ehefrauen“ oder Zwangsarbeiterinnen missbraucht wurden. Kinder wurden in großer Zahl entführt und mit extremer Gewalt indoktriniert – Jungen mussten bei Überfällen zuschauen oder sogar ihre eigenen Familien töten, um jede Rückkehr in die Dorfgemeinschaft unmöglich zu machen. Die LRA lebte von Plünderungen: Lebensmittel, Kleidung und Werkzeuge wurden systematisch geraubt. Ihre Gewalt hatte also nicht nur militärische, sondern auch psychologische Funktion – ganze Dorfgemeinschaften flohen, Felder blieben unbestellt, ganze Regionen verfielen in ein Klima permanenter Unsicherheit.

Die LRA wurde Ende der 1980er Jahre gegründet und ist bis heute in Teilen Zentralafrikas aktiv.

Sie entstand aus kleineren Rebellengruppen, die sich zunächst gegen die ugandische Regierung unter Präsident Yoweri Museveni stellten. 

Angeführt von Joseph Kony, der sich als religiös-militärischer Führer versteht, verübt die LRA brutale Überfälle auf Dörfer, entführt Kinder als Soldaten oder „Ehefrauen“ und tötet Männer, um Angst zu verbreiten.

Die sudanesische Regierung unterstützte die LRA zeitweise, um die SPLA-Rebellen im Süden zu schwächen.

Die ugandische Armee führte zwar Operationen durch, konnte aber die verstreuten Dörfer kaum schützen.

Internationale Organisationen wie die UN waren vor Ort, durften jedoch nicht militärisch eingreifen und konnten nur humanitäre Hilfe leisten.

Arrow Boys (Pfeilträger)

Dorfbewohner:innen waren den Angriffen also schutzlos ausgeliefert und auf Hilfe von aussen konnten sie nicht zählen. Deshalb übernahmen mutige, junge Männer den Schutz ihrer Familien. Sie kämpften vorallem mit Pfeil und Bogen, wie ihre Vorfahren. Deshalb nannten sie sich ‚Arrow Boys‘. 

Die Arrow Boys waren keine reguläre Armee, sondern entstanden aus dem instinktiven Bedürfnis von Dorfbewohnern, sich und ihre Familien zu schützen.
Die Jugend war dabei die treibende Kraft, weil junge Männer am ehesten bereit waren, nachts zu patrouillieren und im Wald auf Spuren der LRA zu achten.
Ihre Waffen – Pfeil und Bogen, Speere, manchmal alte Gewehre – waren im Vergleich zu den Kalaschnikows der LRA primitiv, aber sie kannten das Terrain und hatten die Unterstützung ihrer Gemeinschaft.
Der Glaube an Schutzamulette und traditionelle Medizin gab ihnen zusätzlich das Gefühl, dem überlegenen Feind etwas entgegensetzen zu können.

Die Arrow Boys waren besonders im südlichen Sudan aktiv und führten gezielte Nachtpatrouillen und Hinterhalte durch LRA-Gebiete durch.

Dieses Video zeigt die Arrow Boys beim Training. 

Die Arrow Boys gingen weit über symbolischen Widerstand hinaus. Sie zeigen, wie traditionelles Wissen und Zusammenhalt demokratische Defizite teilweise ausgleichen können.

 

Azande

Schon im Königreich der Azande, das vom 17. bis ins 19. Jahrhundert große Teile des heutigen Südsudan, der DR Kongo und der Zentralafrikanischen Republik umfasste, gab es Verteidigungsgruppen mit Pfeil und Bogen. Diese Kämpfer galten als Beschützer ihrer Gemeinschaften und standen zugleich für Stärke und Identität.

By Richard Buchta (1845-1894)

Der Name „Arrow Boys“ geht nicht nur auf ihre Waffen zurück, sondern auch auf eine alte Erinnerung der Azande im Westen des Südsudan. Schon vor Jahrhunderten gab es im Königreich der Azande Bürgerwehren, die mit Pfeil und Bogen ihre Dörfer gegen Feinde und Sklavenjäger verteidigten. Diese Tradition blieb im Gedächtnis der Menschen lebendig.

Als in den 2000er Jahren die LRA in den Südsudan kam und die staatliche Armee die Bevölkerung nicht schützen konnte, griffen junge Männer diese Tradition wieder auf und nannten sich „Arrow Boys“. Damit stellten sie sich bewusst in eine Reihe mit den alten Verteidigern der Azande.

Bis heute spielen die Azande eine wichtige politisch-kulturelle Rolle im Südsudan. Sie sind eine der größten Volksgruppen im Westen des Landes, haben eine starke Identität und sehen sich oft als Hüter ihrer Region. Viele Kirchen und traditionelle Führer unterstützten die Arrow Boys, weil sie diese nicht nur als Miliz, sondern als Teil ihrer eigenen Kultur und Geschichte betrachteten. Dadurch hatten die Gruppen lange große Zustimmung in der Bevölkerung – aber ihr Übergang in politische und militärische Konflikte nach 2011 führte auch zu Spannungen mit der Zentralregierung in Juba.

Nach 2011, als die LRA schwächer wurde, gewannen die Arrow Boys eine politisch-kulturelle Bedeutung. Sie wurden zum Symbol für die Selbstbehauptung der Azande, die bis heute eine der größten Volksgruppen des Westsudan sind und eine starke Rolle in Kultur und Politik spielen.
Viele sehen in den Arrow Boys die „Wächter ihrer Gemeinschaft“ – in direkter Tradition der alten Azande-Krieger.

Infos zum Südsudan

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Hallo, ich bin Sonja.

als Mitbegründerin des Vereins Global New Generation Berlin setzte ich mich seit vielen Jahren für die Anerkennung aller Menschen in unserer Gesellschaft ein.
Besonders am Herzen liegen mir dabei die Kinder, denn auch meine (Enkel-) Kinder leben in Deutschland.
Ich konzipiere transkulturelle Projekte und führe sie in diversen Teams durch.
Diskriminierungssensible Bildung finde ich sehr wichtig. Aus diesem Grund biete ich Ant-Diskriminierungs- und Diversity Trainings für Bildungseinrichtungen an.
Da ich Künstlerin bin, nutze ich Kunst gerne als Werkzeug, um heranwachsende Menschen in der Entfaltung, in ihrer Identitätsfindung zu unterstützen.

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Unterstützung

Dieses Lernfeld wurde erstellt mit freundlicher Unterstützung der Stiftung Bildungschancen.

Quellangaben

https://www.dni.gov/nctc/groups/lra.html

https://www.derstandard.at/story/2000022287868/arrow-boys-ein-haufen-bauern-gegen-joseph-konys-lra

Von Winkpolve – Eigenes Werk, CC BY-SA 3.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=28973782

Meet Azande people “the conquering warriors”

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